{"id":525,"date":"2026-08-16T18:10:22","date_gmt":"2026-08-16T18:10:22","guid":{"rendered":"https:\/\/fian-the-bard.com\/?p=525"},"modified":"2026-10-13T07:17:14","modified_gmt":"2026-10-13T07:17:14","slug":"when-the-sun-rises","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fian-the-bard.com\/de\/the-mistwood-lore\/when-the-sun-rises\/","title":{"rendered":"Der Sonnenaufgang"},"content":{"rendered":"<p>Es war morgen.<br \/>\nFian wachte in seinem Bett auf und irgendwie war es das erste Mal, dass er wirklich geschlafen hatte.<\/p>\n<p>Er erinnerte sich nur noch verschwommen an die Ereignisse vom letzten Nachmittag, wie er neben ihr sa\u00df, und langsam die Welt im Regen um ihn herum dunkel wurde. Jetzt wo sein Geist langsam wieder erwachte, fing er an zu \u00fcberlegen. Wieso liegt er eigentlich in seinem Bett? Dann hob er die Bettdecke etwas an, und sah, dass seine Wunden sorgf\u00e4ltig versorgt und verbunden wurden. Die Handschrift kannte er, er wusste, dass es einer der Fuchs-Medici gewesen sein musste. Und genau das ergab noch weniger Sinn, denn<br \/>\neigentlich kannte er die nur als unh\u00f6fliche Alchimisten, die gerade mit ihm nichts zu tun haben wollten, und ihn mit allen Problemen im Wald einfach sterben lassen w\u00fcrden, nur wegen seiner eigenen Herkunft.<\/p>\n<p><em>Um so erstaunlicher mit welcher Sorgfalt hier gearbeitet wurde.<\/em><\/p>\n<p>Er stellte er seine Ohren auf. Da waren Stimmen in seiner K\u00fcche! Er konnte eindeutig eine m\u00e4nnliche und eine weibliche Stimme h\u00f6ren, die leise miteinander redeten und scherzten. Dazu kam das regelm\u00e4\u00dfige Klappern von einer Tasse auf dem K\u00fcchentisch. Sitzen da etwa zwei Fremde an seinem Tisch und trinken \u2026 Tee? Er stand also vorsichtig auf und machte sich langsam auf den Weg zur K\u00fcchent\u00fcr, um sie zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p><em>Sofort verstummte das Gespr\u00e4ch.<\/em><\/p>\n<p>Und wie er erwartet hatte, da sa\u00df zur Linken de wei\u00dfe W\u00f6lfin, und ihr gegen\u00fcber ein Medikus der F\u00fcchse aus den Mooren. Und sie unterhielten sich. Ja, die W\u00f6lfin konnte sogar l\u00e4cheln, als Fian in der T\u00fcr stand: \u201eSehr sch\u00f6n, er steht wieder. Und sein Bein ist auch noch ganz. Danke f\u00fcr die Hilfe, Germonde.\u201c Der Fuchs zeigte in seinem fl\u00fcchtigen Blick Richtung Fian seine pers\u00f6nliche Verachtung, und meinte nur staubtrocken. \u201eEr wird es \u00fcberleben. Ich denke damit ist der Gefallen erf\u00fcllt, den ich schuldete?\u201c Sie nickte nur kurz und hab ihm sehr direkt die Pfote mit den Worten: \u201eGewiss. Ich danke dir f\u00fcr deine Dienste, Germonde, der Gefallen ist hiermit vergolten. Lass uns in Frieden unseren Tee trinken.\u201c<\/p>\n<p>Der Fuchs nickte und antwortete: \u201eIch nehme das Angebot gerne an. Danach werde ich mich aber auch auf den Weg machen.\u201c Dann kamen noch ein paar abf\u00e4llige Bemerkung dar\u00fcber, dass ein solch hochwertiger Gefallen f\u00fcr \u201adas da\u2018 einzufordern aus seiner Sicht v\u00f6llig \u00fcberzogen gewesen war.<\/p>\n<p>Fian holte gerade Luft um etwas zum Thema \u201esein Haus und H\u00f6flichkeit an seinem Tisch\u201c sagen zu wollen, aber ein vernichtender Blick der W\u00f6lfin hielt ihn zur\u00fcck und hie\u00df zu schweigen. Stattdessen \u00fcberging sie das Gaze, und bat Fian, noch eine Tasse frischen Tee aufzusetzen, und ihre Stimme machte deutlich, was sie davon halten w\u00fcrde wenn er jetzt etwas sagt. Also zog er es vor, schweigend neuen tee zu bereiten. Der Fuchs beobachtete das und f\u00fcgte belustigt hinzu: \u201eGut erzogen, aber noch Lernbedarf\u2026\u201c \u2013 \u201e\u00dcberstrapaziere nicht das Gastrecht, Germonde. Du kennst die Regeln.\u201c<\/p>\n<p>Germonde verneigte vor ihr sein Haupt: \u201eIch bitte aufrichtig um Verzeihung, ich wollte lediglich berechtigte Gedanken anbringen. Aber es ist nicht meine Entscheidung, die hier getroffen wurde.\u201c Danach nickte er Fian kurz zu: \u201ePass die n\u00e4chsten 2 Wochen gut auf deine Beine auf, kleiner Tuichtgut, ich m\u00f6chte dich n\u00e4mlich nicht wieder sehen m\u00fcssen.\u201c Und dann wechselten Sie das Thema und sprachen \u00fcber Jahreszeiten, Ernte und die Taverne, dass angeblich irgendwo tief im Wald ein besonderer Feuerkreis gewesen sein sollte, und weiteren Klatsch und Tratsch aus dem Nebelw\u00e4lden. Zuguteretzt verabschiedete sich Germonde und die W\u00f6lfin sa\u00df alleine am Tisch. Ich h\u00f6fliches L\u00e4cheln wich, als sie ihren Kopf auf ihre Pfoten lag und ihn direkt ansah. Sie wartete.<\/p>\n<p><em>Fian stand wie erstarrt in seiner K\u00fcche.<\/em><\/p>\n<p>Das leise, h\u00f6lzerne Klacken, mit dem der Riegel der Au\u00dfent\u00fcr ins Schloss fiel und Gramondes Abgang besiegelte, schien die Luft im Raum augenblicklich zu verdichten. Zur\u00fcck blieb nur die schwere, fast greifbare Stille der K\u00fcche, gemischt mit dem herben, stechenden Geruch von getrockneten Sumpfkr\u00e4utern und alchemistischer Tinktur, der von Fians frisch verbundenem Bein aufstieg \u2013 und Duft des Kr\u00e4utertees, den Fian am Herd aufgesetzt hatte.<\/p>\n<p>Sie bewegte sich nicht. Ihr Kopf ruhte weiterhin schwer auf ihren wei\u00dfen Vorderpfoten, die sie auf der Tischplatte gekreuzt hatte. Ihre Augen fixierten ihn reglos. Es war kein drohender Blick, aber er trug eine ungesprochene Anklage in sich. Fian humpelte vorsichtig zum Tisch. Jeder Schritt zerrte an den frischen N\u00e4hten, doch der Schmerz war dumpf, ged\u00e4mpft durch die pragmatische Alchemie Geramondes. Schweigsam, stellte Fian noch eine Tasse mit dampfenden Kr\u00e4utertee vor ihr ab.<\/p>\n<p><em>Sie senkte den Blick kurz auf die dampfende Tasse, atmete den hei\u00dfen Dunst ein und sah ihn dann wieder direkt an.<\/em><\/p>\n<p>\u201eEin hoher Preis\u201c, raunte sie schlie\u00dflich. Ihre Stimme war so leise wie der erste Frost, der sich \u00fcber die herbstlichen Bl\u00e4tter legt, doch sie schnitt Fian tief in die Brust. \u201eEin Gefallen bei den Fuchs-Sippen. Und ich habe in f\u00fcr dich eingel\u00f6st.\u201c Sie schwieg. Und wartete. Nach einer endlos erscheinenden Weile, an der sie an dem Tee mit geschlossenen Augen roch, zog sie die Tasse an sich ran und sagte leise. \u201eHol dir einen Tee und setz dich. Das Letzte, was ich will, ist, dass dein Bein noch mehr Hilfe braucht.\u201c Fian ging nahm sich seine Tasse und sie rutschte ihm aus den Pfoten. Erst jetzt bemerkte er, dass ihre Klaue in seiner Pfote nicht behandelt wurde, sondern nur notd\u00fcrftig versorgt war. \u201eja, darum kannst du dich selber k\u00fcmmern.\u201c, sagte sie beil\u00e4ufig, als Sie einen Schluck Tee trank. Dann stand sie auf und sagte: \u201eSetz dich.\u201c, und stellte ihm eine neue Tasse Tee hin.<\/p>\n<p>So sa\u00dfen sie sich gegen\u00fcber. Und Fian schwieg. Nicht, weil er nicht Fragen h\u00e4tte, er wusste nur einfach nicht, wo er anfangen soll. Und ihm gegen\u00fcber sitzt die wei\u00dfe W\u00f6lfin, die K\u00f6nigin des Nordens und genie\u00dft einfach eine Tasse Tee. Schlie\u00dflich stellte sie die ihren auf und fragte nach einer Weile bed\u00e4chtig: \u201eH\u00f6rst du das?\u201c. Er lauschte. \u201eDrau\u00dfen sind ein paar V\u00f6gel, das Feuer im Ofen, dann\u2026\u201c Sie stand auf und ging um ihn herum. Dann legte sie bed\u00e4chtig ihre Pfote auf seine Schulter und er wurde lieber still. Sie lauschte und fl\u00fcsterte sanft in sein Ohr: \u201eIch meine das hier.. Stille. Und eigentlich hast du so viele Fragen,\u2026 Doch deine Fragen sind bedeutungslos, wenn ich rede wirst lernen.\u201c Dann legte sie ihm ein sorgsam gefaltetes Pergament hin und nahm ihre Pfote von seiner Schulter.<\/p>\n<p>Er entfaltete das Pergament und las, was dort stand: \u201eDas ist \u2026 Pfannenbrot, wie er in der Taverne serviert wird.\u201c Sie nickte bed\u00e4chtig. \u201eGanz genau, und heute zur achtzehnten Stunde des Tages. Auf der Lichtung vor der Taverne. Du wei\u00dft wo.\u201c Dann ging sie einfach und er sa\u00df am Tisch alleine.<\/p>\n<p>Nur er, tausende Fragen, und diese einsame Stille in seiner kleinen K\u00fcche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war morgen. Fian wachte in seinem Bett auf und irgendwie war es das erste Mal, dass er wirklich geschlafen hatte. Er erinnerte sich nur noch verschwommen an die Ereignisse vom letzten Nachmittag, wie er neben ihr sa\u00df, und langsam die Welt im Regen um ihn herum dunkel wurde. 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