{"id":549,"date":"2026-09-04T09:19:59","date_gmt":"2026-09-04T09:19:59","guid":{"rendered":"https:\/\/fian-the-bard.com\/?p=549"},"modified":"2026-10-14T19:21:46","modified_gmt":"2026-10-14T19:21:46","slug":"morning-dew","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fian-the-bard.com\/de\/the-mistwood-lore\/morning-dew\/","title":{"rendered":"Der Morgentau"},"content":{"rendered":"<p>Die Sonne ging \u00fcber den Baumwipfeln des Waldes auf und sandte ihr erstes Licht durch das Fenster einer kleinen H\u00fctte, die tief im Wald lag. Drinnen im Bett reckte sich Fian in den warmen Strahlen und \u00fcberlegte, ob er aufstehen oder einfach noch ein wenig unter der warmen Decke bleiben und die Morgensonne genie\u00dfen sollte. Nach einer Weile entschied er sich, aufzustehen und den neuen Tag mit einer frischen Tasse Tee vor der H\u00fctte zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>In der K\u00fcche angekommen, entfachte er den Herd, wie er es jeden Morgen tat. W\u00e4hrend er darauf wartete, dass die Glut hei\u00df genug f\u00fcr den Wasserkessel war, schweifte sein Blick durch den Raum. Dabei fiel ihm der Korb mit den Tellern auf, und die beiden Teetassen, die noch immer auf dem Tisch standen. Gerade so, als w\u00e4re dies das Selbstverst\u00e4ndlichste der Welt. W\u00e4hrend er die beiden Tassen betrachtete, f\u00fcllte er fast unbewusst gen\u00fcgend Wasser in den Kessel \u2013 nur f\u00fcr den Fall, dass ihn am Morgen ein Gast besuchen w\u00fcrde. Der Herd war hei\u00df, und das Wasser im Kessel begann zu dampfen. Er gab Teebl\u00e4tter in seine Tasse, und das hei\u00dfe Wasser erf\u00fcllte die K\u00fcche mit dem Duft von Waldkr\u00e4utern und getrockneten Beeren. Er liebte diesen Geruch und schloss die Augen, um ihn voll und ganz in sich aufzunehmen, zusammen mit dem Knistern des Feuers in seinem kleinen Ofen.<\/p>\n<p>Doch etwas regte sich in seinem Inneren.<\/p>\n<p>Es dauerte eine ganze Weile, bis ihm klar wurde, was nicht stimmte. Eigentlich hatte er darauf gewartet, dass sie anklopfte, dass sie hereinkam, dass etwas geschah \u2013 doch nichts geschah. Schlie\u00dflich goss er sich einen weiteren Tee ein und setzte sich mit einem Seufzer in sein Wohnzimmer. Er blickte aus dem Fenster auf den Wald, wo Nebelschwaden noch immer Fangen mit den Sonnenstrahlen spielten, und nahm einen Schluck von seinem Tee.<\/p>\n<p><em>Dann klopfte es an der T\u00fcr.<\/em><\/p>\n<p>Voller Freude stand er auf, um sie zu \u00f6ffnen. Doch es war nur einer der Fuchsheiler aus dem Moor. Was hei\u00dft nur, ein Fuchsheiler auf Hausbesuch ist selten! Das wusste auch Fian. Allerdings war es nicht Germonde, sondern einer seiner Gehilfen, der ihn m\u00fcrrisch und voller Verachtung von Kopf bis Fu\u00df musterte und dann darum bat, eingelassen zu werden, um das Bein erneut zu untersuchen. Germonde hatte darauf bestanden und etwas von einem Gefallen erw\u00e4hnt. Jedenfalls schien ihm dieses Bein besonders wichtig zu sein, ganz gleich, wem es geh\u00f6rte. Eigentlich eine v\u00f6llig unn\u00f6tige Verschwendung \u2013 zumindest aus Sicht dieses Heilers, doch Meister Germonde darauf bestand, wurde die Behandlung mit der versprochenen Sorgfalt durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mit einem Schulterzucken begutachtete er das Bein, nickte anerkennend zur Qualit\u00e4t der Arbeit und legte dann sehr leichte, einfache Verb\u00e4nde an.<\/p>\n<p>Er gab Fian noch ein paar Pflegehinweise und verabschiedete sich dann bestimmt; eine Tasse Tee lehnte er ab. Fian stand in der T\u00fcr und sah ihm nach. \u201eAch, diese Fuchsdoktoren \u2013 man muss sie einfach lieben\u201c, dachte er, und ein leicht am\u00fcsiertes L\u00e4cheln huschte \u00fcber sein Gesicht. *So sind sie eben.*<\/p>\n<p>Er sp\u00e4hte um den T\u00fcrrahmen herum, um zu sehen, ob noch jemand kam, doch nein, vor allem sie, die wei\u00dfe W\u00f6lfin, die K\u00f6nigin des Nordens, war nicht da, und auch ihren Geruch konnte er in der Morgenluft nicht wahrnehmen, was er sehr seltsam fand.<\/p>\n<p>In den vergangenen Tagen und Wochen war sie stets pr\u00e4sent gewesen und hatte alles im Blick behalten; und nun war sie pl\u00f6tzlich verschwunden? Sicher, er hatte sein Leben in ihre Pfoten gelegt, doch das hier ergab nun keinen Sinn. Er atmete noch ein paar Mal die k\u00fchle Morgenluft ein und schloss dann die T\u00fcr wieder. \u00dcber dieses R\u00e4tsel w\u00fcrde er wohl sp\u00e4ter nachdenken \u2026<\/p>\n<p>Dann fiel sein Blick wieder auf den K\u00fcchentisch, auf dem ein sorgf\u00e4ltig gefalteter\u00a0 Zettel lag. *Sehr diskret*, dachte er, *einen Fuchsdoktor als Boten einzuspannen. Das wird ihm sicher gefallen. Aber nun gut, das erkl\u00e4rt auch, warum dieser Doktor so schlechte Laune hatte.* \u2026 Neugierig betrachtete er den Zettel. Sollte er ihn lesen oder liegen lassen? Was mochte sie wohl geschrieben haben? Nun, hier gab es kein Richtig oder Falsch. Au\u00dferdem w\u00fcrde der Zettel dort nicht liegen, wenn er nicht f\u00fcr ihn bestimmt w\u00e4re.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich siegte seine Neugier.\u00a0 Er faltete er den Zettel auf, um wahrscheinlich ein neues Rezept f\u00fcr den Abend zu finden, doch weit gefehlt:<\/p>\n<p>Dort stand:<\/p>\n<p>\u201eIch habe Wichtiges zu erledigen. Deshalb habe ich beschlossen, dich ein wenig herumlaufen zu lassen. Solltest du mit deinem K\u00f6rper irgendwelchen Unsinn anstellen, werde ich mit dir das Gehen \u00fcben. Entscheide selbst, was du willst. V.\u201c<\/p>\n<p>Er musste die Notiz tats\u00e4chlich noch einmal lesen und las sie leise vor sich hin: \u201e\u2026Ich werde mit dir \u201aGehen \u00fcben\u2018?\u201c Er pfiff leise durch die Z\u00e4hne. Ja, das war eine ziemliche Ansage, dachte er.<\/p>\n<p>Doch dieses \u201eV.\u201c fand er weitaus faszinierender.<\/p>\n<p>Sie hatte ihm tats\u00e4chlich einen Buchstaben ihres Namens verraten \u2026<\/p>\n<p>Aber warum?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sonne ging \u00fcber den Baumwipfeln des Waldes auf und sandte ihr erstes Licht durch das Fenster einer kleinen H\u00fctte, die tief im Wald lag. 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