{"id":550,"date":"2026-09-09T16:43:10","date_gmt":"2026-09-09T16:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/fian-the-bard.com\/?p=550"},"modified":"2026-10-14T19:28:39","modified_gmt":"2026-10-14T19:28:39","slug":"on-the-road-again","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fian-the-bard.com\/de\/the-mistwood-lore\/on-the-road-again\/","title":{"rendered":"Einmal Taverne und zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Der letzte Bissen seines Fr\u00fchst\u00fccks war verzehrt, und Fian lie\u00df den Blick nachdenklich durch den Raum schweifen. Was k\u00f6nnte dieser Tag wohl f\u00fcr ihn bereithalten? W\u00e4hrend er noch so dar\u00fcber nachdachte, fiel sein Blick auf die Laute. Ja, als Barde fand er die Antworten oft in den Saiten, und so griff er irgendwann nach ihr, um die n\u00e4chste Stunde ihm vertraute Melodien erklingen zu lassen.<\/p>\n<p>Als die Sonne ihren Zenit erreichte, machte er sich schlie\u00dflich auf den Weg zur Taverne. Der Pfad erschien ihm heute weitaus weniger beschwerlich als sonst, und seine Gedanken begannen, im ruhigen Rhythmus seiner Schritte umherzuwandern. Und ja, unweigerlich dachte er auch \u00fcber die Nachricht mit dem \u201eV.\u201c nach. Was genau mochte sie wohl gerade treiben? Er sch\u00fcttelte den Kopf und wischte den Gedanken fort.<\/p>\n<p>Die Gegenwart war so einladend, dass er nicht die Lust hatte, sich den Gr\u00fcbeleien \u00fcber fremde Angelegenheiten hinzugeben. Er freute sich eher \u00fcber den milden Mittagswind, wie er sanft durch sein Fell strich, und beobachtete das leise \u00fcber ihn raschelnde Bl\u00e4tterdach. Das Sonnenlicht spielte ein goldenes Fangen mit den Bl\u00e4ttern in den hohen Wipfeln,\u00a0 und ein tiefer, unersch\u00fctterlicher Frieden durchzog den Wald.<\/p>\n<p>In ihm wuchs die ehrliche Vorfreude darauf, in der Taverne aufzuspielen.<\/p>\n<p>Nichts Kompliziertes, keine schwerm\u00fctigen Balladen mit dichten Texten, sondern schlichte, heitere Weisen. Einfach aus der reinen Freude am Tun. Er ertappte sich dabei, wie er eine leichte Melodie vor sich hin summte, und ein Schmunzeln stahl sich auf sein Gesicht. Ja, dieser Tag versprach, wundervoll zu werden. Ein Tag, um schlichtweg umherzuziehen und das zu tun, wonach das Herz eines Barden eben verlangt. Schlie\u00dflich erreichte er das Wirtshaus. Er blieb vor der T\u00fcr stehen und lie\u00df den Blick umherschweifen. Es war schon eine merkw\u00fcrdige Erkenntnis, wie sehr der blo\u00dfe innere Blickwinkel dar\u00fcber entscheidet, ob man einen Ort mit offener Vorfreude betritt oder sich nichts sehnlicher w\u00fcnscht, als augenblicklich das Weite zu suchen.\u00a0 Heute jedoch war er voller Tatendrang: Mit einem beherzten Griff dr\u00fcckte er die schwere Holzt\u00fcr auf und trat \u00fcber die Schwelle.<\/p>\n<p>Und erstarrte noch auf der Schwelle mitten in der Bewegung.<\/p>\n<p>Schlagartig richteten sich die Blicke der Anwesenden auf ihn. Es war eine Musterung, wie er sie in dieser Form noch nie erlebt hatte. Eine beklemmende Mischung aus lauernder Neugier und herablassendem Mitleid, gepaart mit einer beinahe greifbaren Respektlosigkeit, die ihm aus dem Schankraum entgegenschlug. Die fr\u00f6hliche Melodie auf seinen Lippen erstarb augenblicklich. Schweigend und mit angespanntem Kiefer bahnte er sich seinen Weg durch die Reihen der G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Das Gewicht dieser Blicke lag schwer auf seinen Schultern, und der Plan, die Laute hervorzuholen, war verflogen. Er beschloss, lediglich ein Pine Met zu bestellen, es in Ruhe zu trinken und die Saiten unber\u00fchrt zu lassen. \u201eDas wird schon wieder \u2026 Derartiges hast du des \u00d6fteren zuvor erlebt. \u2026\u201c, murmelte er leise vor sich hin, um festzustellen, dass dieses Mal ich nichts beruhigte. Nein, genau das Gegenteil geschah:<\/p>\n<p>Man mied ihn.<\/p>\n<p>Sein Spiel war unerw\u00fcnscht und letztendlich sa\u00df er frustriert in einer Ecke der Taverne, misstrauisch be\u00e4ugt, und er k\u00f6nnte schw\u00f6ren, dass sie heimlich \u00fcber ihn redeten. Am Ende sa\u00df er in einer Ecke und spielte leise f\u00fcr sich selbst. Irgendwann kam ein Luchs auf ihn zu und fragte. \u201eStimmt es, was man sich so erz\u00e4hlt?\u201c Fian sah den Luchs neugierig an: \u201eStimmt was, das man sich so erz\u00e4hlt?\u201c fragte er. \u201eNaja, eben das mit dieser W\u00f6lfin, dass du ihr neues Haustier bist. Dass sie einfach Mitleid hatte \u2026 \u201c\u00a0 Bevor Fian etwas antworten konnte, drehte sich dieser Luchs um und ging zur\u00fcck zu einer Gruppe von Angetrunkenen. \u201eIch glaube, es war so.\u201c, sagte er, noch grinsend, \u00fcber die Schulter nach hinten schauend.<\/p>\n<p>Fians Pfoten krampften sich um den Hals seiner Laute.<\/p>\n<p>Das leise Summen im Raum war nun einem offenen, sp\u00f6ttischen Raunen gewichen. Die Blicke waren nicht l\u00e4nger verstohlen, sondern richteten sich unverhohlen und herablassend auf ihn. Er sp\u00fcrte, wie ihm das Blut in den Adern pochte und sich eine hei\u00dfe Wut in seiner Brust ausbreitete. Er war ein Barde, ein freier Geist, und ganz sicher nicht das Scho\u00dftier von irgendwem.<\/p>\n<p>Fian zwang sich zur Ruhe, nahm einen tiefen Schluck von seinem Met und starrte eisern auf die h\u00f6lzerne Tischplatte, in der Hoffnung, dass das Interesse an ihm bald wieder abebben w\u00fcrde. Doch die Meute hatte Blut geleckt. Aus der Ecke der Angetrunkenen l\u00f6ste sich eine weitere, massige Gestalt \u2013 ein st\u00e4mmiger Wildschweineber mit einem fleckigen Lederwams und einem schiefen, grausamen L\u00e4cheln. Mit schweren, polternden Schritten kam er auf Fians Ecke zu, das gr\u00f6lende Lachen seiner Kumpane wie R\u00fcstzeug im R\u00fccken.<\/p>\n<p>Der Eber blieb direkt vor dem kleinen Tisch stehen. Er sagte kein Wort, starrte Fian nur mit diesem \u00fcberheblichen Grinsen an. Dann griff er langsam in seine Tasche, holte etwas aus dickem, genietetem Leder hervor und lie\u00df es mit einem harten, klackenden Ger\u00e4usch auf die Tischplatte direkt vor Fians Metkrug fallen.<\/p>\n<p>Es war ein klobiges Halsband, an dessen schwerer Eisenschnalle ein kurzes, abgerissenes St\u00fcck Kette baumelte. \u201eDamit du dich auf dem R\u00fcckweg zu deinem Frauchen nicht verl\u00e4ufst\u201c, grollte der Eber am\u00fcsiert, st\u00fctzte seine massigen Pranken auf den Tisch und sah Fian provozierend in die Augen.<\/p>\n<p>Dieser Blick, irgendetwas brachte das Fass zum \u00dcberlaufen, ja, etwas in Fian riss. Er hatte noch einen Moment dar\u00fcber nachdenken wollen, aber dann machten alle \u00dcberlegungen einer wilden, unb\u00e4ndigen Wut Platz, die hei\u00df durch seine Adern schoss. Was bildete sich dieser Eber eigentlich ein? Und schon in der n\u00e4chsten Sekunde hatte er dieses Lederband zwischen seinen Pfoten und die schwere Eisenschnalle traf knirschend auf die Hauer des Ebers.<\/p>\n<p>Und der Eber blieb stehen, seine Pranken zu F\u00e4usten geballt. E rief \u00fcber die Schulter: \u201eTavernenregel hin oder her, ich werde diesem Haustier jetzt Manieren beibringen!\u201c Er entriss Fian das Halsband und holte ebenfalls mit der schweren Schnalle aus, doch bevor er seinen Schlag ausf\u00fchren konnte, gab es einen ohrenbet\u00e4ubenden Knall, der das Geb\u00e4lk der Decke erbeben lie\u00df.<\/p>\n<p><em>Die schwere Eingangst\u00fcr der Taverne war mit voller Wucht ins Schloss gefallen.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-351 aligncenter\" src=\"https:\/\/fian-the-bard.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/collar-scaled.png\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"874\" srcset=\"https:\/\/fian-the-bard.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/collar-scaled.png 2560w, https:\/\/fian-the-bard.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/collar-300x102.png 300w, https:\/\/fian-the-bard.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/collar-1024x350.png 1024w, https:\/\/fian-the-bard.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/collar-768x262.png 768w, https:\/\/fian-the-bard.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/collar-1536x524.png 1536w, https:\/\/fian-the-bard.com\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/collar-2048x699.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<p>Der L\u00e4rm im Schankraum erstickte augenblicklich in den Kehlen der G\u00e4ste. Niemand hatte bemerkt, wie die T\u00fcr ge\u00f6ffnet worden war, doch nun stand sie da, v\u00f6llig reglos im schwachen Licht des Eingangs. Ihr Blick, klar und durchdringend wie gesplittertes Eis, glitt langsam \u00fcber die erstarrten G\u00e4ste. Es war der kompromisslose Blick einer eiskalten J\u00e4gerin, die soeben ihr Revier betreten hatte \u2013 ruhig, souver\u00e4n und t\u00f6dlich. Die Atmosph\u00e4re im Raum ver\u00e4nderte sich mit einem Wimpernschlag; die dr\u00fcckende, laute Feindseligkeit wich einer eisigen Stille, in der man nur noch das leise Knistern des Kaminfeuers h\u00f6rte.<\/p>\n<p>Sie ging hoch erhobenen Hauptes durch den Raum und stand vor dem Eber. Sie musterte ihn. Schweigend. Ihre Augen trafen sich und nach einer Weile zeigte der Eber auf Fian und meinte sp\u00f6ttisch: \u201eDu solltest auf dein Haustier aufpassen, es macht sich gerade sehr unbeliebt hier.\u201c<\/p>\n<p>Statt zu antworten musterte sie den Eber einfach und sagte nichts.\u00a0 Sie stand einfach vor ihm und schaute. Dann fiel ihr Blick auf das Halsband und sie streckte die Pfote aus. \u201eDarf ich sehen?\u201c, fragte sie mit einem eisigen, leisen Tonfall, \u201eBitte,\u2026\u201c \u2013 Der Eber gab ihr das Halsband mit h\u00f6hnischem Grinsen und ging zu seinen Kumpanen her\u00fcber.<\/p>\n<p>Unter den neugierigen Augen der Taverne wog sie das lederne Halsband in ihren Pfoten und \u00fcberlegte. Schlie\u00dflich schaute sie Fian an und fragte mit ruhiger Stimme: \u201eJa, wenn mein Schnuffel nicht \u00fcber den Dingen steht, wird es wohl sein Halsband sein, nur die Kette finde ich \u00fcbertrieben, die kommt weg. Und ob es ihm den Hals verzieren wird, das w\u00e4re noch zu kl\u00e4ren?\u201c Mit diesen Worten steckte sie das Halsband ein und warf die eiserne Kette achtlos auf den Boden, bevor sie sich zu Fian an den Tisch setzte.<\/p>\n<p>Bevor er etwas sagen konnte, legte sie ihre Klaue auf sein Bein, und hie\u00df ihn, zu schweigen. Nach einigen Minuten stellte sie die Ohren auf und meinte laut: \u201eAber ein Barde, der \u00fcber den Dingen steht, ist mir in dieser Stunde lieber als jenes zu kl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p><em>Mit diesen Worten winkte sie einen anderen Barden an den Tisch und bat, einfach leise zu spielen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Bissen seines Fr\u00fchst\u00fccks war verzehrt, und Fian lie\u00df den Blick nachdenklich durch den Raum schweifen. Was k\u00f6nnte dieser Tag wohl f\u00fcr ihn bereithalten? W\u00e4hrend er noch so dar\u00fcber nachdachte, fiel sein Blick auf die Laute. 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