{"id":558,"date":"2026-09-29T21:10:06","date_gmt":"2026-09-29T21:10:06","guid":{"rendered":"https:\/\/fian-the-bard.com\/?p=558"},"modified":"2026-10-14T20:11:02","modified_gmt":"2026-10-14T20:11:02","slug":"the-task","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fian-the-bard.com\/de\/the-mistwood-lore\/the-task\/","title":{"rendered":"Der Auftrag"},"content":{"rendered":"<p data-path-to-node=\"3\">Es d\u00e4mmerte.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"4\">Fian trat durch die T\u00fcr seiner kleinen H\u00fctte ein und \u00f6ffnete die Riemen seines Korbs. Als er ihn vor sich hielt, roch er noch einmal an den frischen Kr\u00e4utern. Er mochte den herben Duft nach Waldboden, wildem Kerbel, Sauerampfer, Waldpilzen und frischen Kr\u00e4utern. Ja, er wusste, dass er sp\u00e4t dran war, eigentlich sehr viel sp\u00e4ter, als verabredet war. Aber er hatte da absolut kein schlechtes Gewissen, eher dieses gl\u00fcckliche und zufriedene Gef\u00fchl, mit dem er die Welt eben so sah, wie nur er es konnte. Und es gab viel, das er gesehen und erlebt hatte beim Sammeln von Salat und Kr\u00e4utern.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"5\">Als er in die K\u00fcche trat, sa\u00df Fresco noch am Tisch. Seine alte Wolfsschnauze hob sich langsam. Die bernsteinfarbenen Augen fixierten Fian mit einer Ruhe, die schwerer wog als jedes Knurren.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"6\">Neben dem Kamin lehnte Vela, die Arme verschr\u00e4nkt, aber mit einer ungew\u00f6hnlichen Ruhe.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"7\">\u201eDu bist sp\u00e4t, Junge\u201c, brummte Fresco mit seiner dunklen Stimme. \u201eWo hast du gesteckt?\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"8\">Fian blinzelte unschuldig, zupfte an den Riemen seiner Tasche und erkl\u00e4rte freim\u00fctig: \u201eUnterwegs brauchte jemand Hilfe. Ein Handkarren war tief im Morast eingesunken \u2013 die R\u00e4der sa\u00dfen fest. Ich habe einfach geholfen, weil sie eine wirklich herzensgute Dachsdame war. Und ganz ehrlich, alleine h\u00e4tte sie das Ding nie freibekommen. Da kann ich doch nicht einfach wegschauen, das geh\u00f6rt sich nicht. Na ja, und danach haben wir halt noch kurz verschnauft und ein paar Kekse gegessen. Dann bin ich weitergezogen, um deinen Auftrag zu erf\u00fcllen. Ich wei\u00df, dass die Kr\u00e4uter unten am Ufer des Waldsees nicht mehr besonders gut sind, daher habe ich beschlossen, um den See herum dann flussaufw\u00e4rts zu gehen \u2026 Wei\u00dft du, da oben am Wasserlauf wachsen die besseren Kr\u00e4uter und Pilze.\u201c Er hielt inne, musterte die beiden W\u00f6lfe und wandte sich dann Fresco zu: \u201eWar das falsch? Ich dachte \u2026 es w\u00e4re in deinem Sinn, wenn man hilft.\u201c Fresco legte den Kopf leicht schief. Ein Hauch von nachdenklicher Zustimmung glitt \u00fcber seine vernarbte Stirn, und er nickte knapp. Es war eine gute Tat \u2013 mal wieder fast vorbildlich. Doch im selben Atemzug bl\u00e4hten sich seine N\u00fcstern, und er holte tief Luft, um zu einer unmissverst\u00e4ndlichen R\u00fcge anzusetzen, denn die Sorge hatte bereits begonnen, an den Nerven des alten Mentors zu nagen. Ehe Fresco jedoch das Wort ansetzen konnte, antwortete Vela und schnitt ihm so das Wort ab. \u201eVielen Dank f\u00fcr deine Hilfe, Fian\u201c, sagte sie leise, trat einen halben Schritt vor und hob das Kinn. \u201eFresco, ich nehme die Verantwortung hiermit zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"12\">Fian verharrte mitten im Raum. Seine Ohren zuckten aufmerksam. Sein Blick glitt von Vela hin\u00fcber zu Frescos finster werdender Miene und wieder zur\u00fcck. Dann wandte er sich direkt an die J\u00e4gerin des Nordens. \u201eWas genau habe ich denn falsch gemacht?\u201c, fragte er vorsichtig. Vela sah ihn als Ganzes an. \u201eWei\u00dft du, Schnuffel, es geht nicht immer um falsch oder richtig. Es geht um Priorit\u00e4ten, um den Rahmen und darum, dass du schlicht Anweisungen zu folgen hast.\u201c Fian sah sie neugierig an: \u201eAber ich habe doch die Aufgaben erf\u00fcllt und dazu noch jemandem geholfen. Ich verstehe nicht \u2026\u201c Fresco sah zuerst Fian und dann Vela an. Dann wandte er sich wieder Fian zu: \u201eKannst du mir einen Gefallen tun?\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"16\">Fian blickte den alten Wolf an, hielt jedoch inne. Seine Pfoten ber\u00fchrten kurz das Leder des Halsbands, das um seine Kehle lag. \u201eIch muss eigentlich erst Vela um Erlaubnis bitten, bevor ich deine Gefallen erf\u00fclle.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"16\">In der K\u00fcche schien die Luft schlagartig zu gefrieren.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"18\">Fresco fuhr herum. Die Nackenhaare des alten Wolfs str\u00e4ubten sich, und seine Pranke krachte auf die Tischplatte, dass die Teeschalen schepperten. \u201eBitte, was soll das werden?!\u201c, fuhr er Vela mit unb\u00e4ndiger Sch\u00e4rfe an. Velas Ohren klappten schlagartig flach nach hinten. Sie biss sich so hart auf die Unterlippe. \u201eEs \u2026 es ist in Ordnung\u201c, stie\u00df Vela heiser hervor. \u201eTu ihm seine Gefallen.\u201c Fresco wandte sich wieder zu Fian um, seine Stimme ged\u00e4mpft, irgendwie nett, aber doch dringlich: \u201eKannst du noch einen Spaziergang zu den Quellen machen? Und wenn diese Eber auftauchen, ich denke, wir wissen, dass du dich nicht verpr\u00fcgeln lassen musst, oder? Aber dennoch, sei vorsichtig da drau\u00dfen. Und bitte, verrate mir, was du davon h\u00e4ltst, bevor du gehst.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"21\">Fian hob eine Braue. Das feine, fast sp\u00f6ttische L\u00e4cheln eines Barden kehrte kurz in seine Mundwinkel zur\u00fcck. \u201eWas soll ich denn meinen? Die Eber werden wahrscheinlich gar nichts machen, nach dem, was ich heute Morgen mitbekommen habe. Und ich wei\u00df sehr wohl, dass die Wolfslieder gesungen wurden, aber nach allem, was passiert ist, steht wohl dort dr\u00fcben die J\u00e4gerin des Nordens in meiner K\u00fcche und ich geh\u00f6re ihr. Und jetzt \u2026 nun, ich vermute, ihr Vater oder Onkel oder \u00c4hnliches sitzt gerade ebenso in meiner K\u00fcche. Ich glaube kaum, dass die Lage aktuell sonderlich gef\u00e4hrlich ist. Ich trage schlie\u00dflich ihr Halsband. Und nur sie darf daran ziehen.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"22\">Fresco warf Vela einen vernichtenden Blick zu und wandte sich dann wieder Fian zu. \u201eNa gut, ich vertraue deinem Urteil. Holst du noch etwas Quellwasser f\u00fcr den Salat?\u201c, sagte er leise zu Fian.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"23\">Fian sah aufmerksam in die Runde, neigte dann leicht den Kopf, wandte sich um und verlie\u00df die H\u00fctte. Die T\u00fcr fiel ins Schloss.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"25\"><em>Drinnen herrschte bleierne Stille.<\/em><\/p>\n<p data-path-to-node=\"26\">Fresco r\u00fchrte sich nicht. Seine alten, von unz\u00e4hligen Monden gezeichneten Augen bohrten sich vorwurfsvoll in Vela. Er sagte kein einziges Wort. Er sah sie einfach nur an. Vela hielt dem Blick f\u00fcr vielleicht zwei qu\u00e4lend lange Herzschl\u00e4ge stand. Dann sank ihre wei\u00dfe Schnauze herab. Ihre Schultern sackten ein. \u201eIch habe wohl ein klein wenig die Kontrolle verloren\u201c, gestand sie leise, und ihre Stimme klang zum ersten Mal nicht nach stolzer J\u00e4gerin. \u201eIrgendwie \u2026 ich arbeite blo\u00df noch Probleme ab, und jedes Problem bringt mir drei weitere ein.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"28\">Fresco trat vor sie hin. Seine Stimme war tief und ruhig, frei von dem Zorn von eben, aber schwer vor Ernsthaftigkeit: \u201eWarum bin ich wirklich hier, Vel?\u201c Vela hob z\u00f6gernd den Kopf. In ihren Augen lag ein hilfloser, fast flehender Ausdruck. Fresco stie\u00df ein langes, trockenes \u201eOh\u2026\u201c aus. Ein vertrautes, schweres Ger\u00e4usch. \u201eNat\u00fcrlich \u2026 Und wei\u00dft du was? Ich helfe diesem kleinen Welpen wieder laufen zu lernen.\u201c Erleichterung huschte \u00fcber ihr Gesicht. \u201eDanke, Fresco. Danke, dass du ihn \u00fcbernimmst und\u2026\u201c \u201eSo war das nicht gemeint\u201c, unterbrach er sie eisig. \u201eDas Problem bleibt sch\u00f6n bei dir.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"33\">Vela starrte ihn entgeistert an.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"34\">\u201eIch werde vor den Schamanen die rituelle Verantwortung tragen, damit dein Kopf erst einmal auf den Schultern bleibt\u201c, fuhr Fresco unerbittlich fort. \u201eAber von dieser Sekunde an stehst du wieder in meiner Entscheidung. Du folgst meinen Anweisungen.\u201c Vela schluckte schwer. Ihre Kiefer mahlten aufeinander, doch dann entschied sie, dass ihr keine Wahl blieb. \u201eVerstanden\u201c, murmelte sie, merklich angefressen. Und sagte dann etwas deutlicher: \u201eVor dem Antlitz des Mondes: Ich werde deiner Weisung Folge leisten. Bitte unterweise mich.\u201c Fresco legte seine Klaue auf ihre Schulter und sprach feierlich: \u201eDer Mond sei mein Zeuge, ich akzeptiere. Ich werde dir in dieser schwierigen Zeit mit meinem Wissen und meinen F\u00e4higkeiten beistehen.\u201c Fresco bot ihr einen Stuhl an und beide setzten sich an den K\u00fcchentisch. Nach einer kurzen Bedenkpause er\u00f6ffnete Fresco das Gespr\u00e4ch: \u201eGut. Erstens: Dieses verdammte Halsband verschwindet morgen fr\u00fch.\u201c Er sah sie fordernd an. \u201eDein Welpe lernt nichts, wenn man nur am Lederriemen rei\u00dft. Gehorsam und Verstand m\u00fcssen aus seinem eigenen Willen erwachsen, nicht aus einer Schleife um den Hals.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"38\">Bei dem Wort \u201edein Welpe\u201c zuckten Velas Ohren geschockt und ungl\u00e4ubig nach hinten. Ihre Augen weiteten sich.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"39\">\u201eUnd ich bin noch nicht fertig\u201c, setzte Fresco nach, ohne ihr Zeit zum Atmen zu lassen. \u201eMorgen wirst du ihn die Welt erforschen lassen, wie es sich f\u00fcr einen Welpen geh\u00f6rt. Frei. Ohne Halsband und Leine. Und vor allem: Du wirst ihm verdammt noch mal die Frage beantworten, ob du ihn magst!\u201c Vela schnappte nach Luft, doch Fresco lie\u00df sie nicht zu Wort kommen. \u201eDas bist du ihm schuldig, Vel \u2026! Nach all dem Mist, den du hier verzapft hast! Und \u00fcbermorgen in der Fr\u00fche, kurz nach Sonnenaufgang, schickst du ihn hinauf auf das untere s\u00fcdliche Bergplateau. Bis dahin werde ich dort alles vorbereitet haben. Vertraue deinem Welpen, dass er den Weg alleine findet, aber mach ihm klar, dass er nicht alle Zeit der Welt hat. Du selbst wirst zu sp\u00e4ter Stunde, kurz vor dem Untergang der Sonne, dort oben erscheinen und dein neues Welpenrudel \u00fcbernehmen. Und du wirst sie unterweisen, Vela. Solltest du nicht weiterwissen, fragst du mich um Rat.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"41\">Vela riss die Augen auf. Eine Welle des Entsetzens und der Emp\u00f6rung stieg in ihr auf. Sie holte tief Luft, die Z\u00e4hne gebleckt: \u201eFresco, ich bin eine J\u00e4gerin, ich kann nicht-!\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"42\">Mitten im Satz presste sich Frescos schwere, grobe Klaue r\u00fcde auf ihre Lippen. Er dr\u00fcckte ihr Haupt sanft, aber eisern nach unten.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"43\">Sein Blick war unnachgiebig und bohrte sich in ihre Seele. \u201eKein Wort\u201c, fl\u00fcsterte er raunend. \u201eIch rede und du wirst lernen. So sagen es die Lieder und so haben wir es vor den Ewigen bezeugt. Du wirst dieses Rudel unterweisen. Und morgen wirst du deinem Welpen erst einmal eine Atempause geben und ihn das machen lassen, was Welpen tun m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p data-path-to-node=\"44\">Er nahm die Pranke langsam von ihrem Mund und schaute Vela an.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"45\">Sie erwiderte trotzig seinen Blick \u2013 und senkte dann dem\u00fctig den Kopf.<\/p>\n<p data-path-to-node=\"46\">Und seufzte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es d\u00e4mmerte. Fian trat durch die T\u00fcr seiner kleinen H\u00fctte ein und \u00f6ffnete die Riemen seines Korbs. Als er ihn vor sich hielt, roch er noch einmal an den frischen Kr\u00e4utern. Er mochte den herben Duft nach Waldboden, wildem Kerbel, Sauerampfer, Waldpilzen und frischen Kr\u00e4utern. 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