{"id":691,"date":"2026-10-21T20:01:14","date_gmt":"2026-10-21T20:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/fian-the-bard.com\/?p=691"},"modified":"2026-10-21T20:15:33","modified_gmt":"2026-10-21T20:15:33","slug":"freunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fian-the-bard.com\/de\/the-mistwood-lore\/freunde\/","title":{"rendered":"Freunde&#8230;?"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDas ist jetzt nicht dein Ernst?\u201c Vela lief neben Fian her. \u201eDas hast du nicht wirklich gemacht?\u201c<\/p>\n<p>Fian sah sie von der Seite an: \u201eIch verstehe nicht, was habe ich denn genau getan? Die nette Dachsdame hat sich einfach bedanken wollen\u2026 ich habe nun wirklich nicht geplant, dass wir ihr gerade jetzt \u00fcber den Weg laufen.\u201c Vela schnaubte ver\u00e4rgert. \u201eDarum geht es gar nicht.\u201c<br \/>\n\u201eWorum denn dann?\u201c<br \/>\n\u201eNa, eben darum\u2026\u201c Sie holte Luft und ahmte mit zuckers\u00fc\u00dfer Stimme nach: \u201eIch m\u00f6chte mich noch mal bei dir bedanken, du warst ja so lieb. Was h\u00e4ltst du davon, wenn wir heute Nachmittag zusammen bei mir Kekse backen? Und deine s\u00fc\u00dfe Freundin ist nat\u00fcrlich auch eingeladen.\u201c Ihr Blick wurde wieder eisig, genau wie ihr Ton. \u201eUnd was hast du gemacht?\u201c<\/p>\n<p>Fian sah sie schief an. \u201eNa ja, sie hat lieb gefragt, ich habe nat\u00fcrlich zugestimmt. Oder magst du keine selbstgebackenen Kekse?\u201c Sie schlug mit ihrer Kralle ver\u00e4rgert einen dicken Ast von einem Baum. \u201eDu wei\u00dft GANZ GENAU, was ich meine!\u201c Als Fian leicht zur Seite ausscheren wollte, packte sie ihn am Genick und zog ihn heran. \u201eNenenenene\u2026 so nicht.\u201c Fians Ohren klappten nach hinten. \u201eWir m\u00fcssen ja nicht hingehen. Aber ich w\u00fcrde gerne mit der Dachsdame Kekse backen\u2026 Wenn du nicht magst, dann lass es, ich werde das schon auch ohne dich hinbekommen.\u201c<\/p>\n<p>Sie drehte ihn am Genick zu sich hin, Auge in Auge. \u201eDeine s\u00fc\u00dfe Freundin? Das hat sie doch mit voller Absicht gesagt\u201c, meinte sie schneidend und lie\u00df ihn wieder los. Fian sch\u00fcttelte sich kurz, ebvor er\u00a0 Vela mit einem unschuldigen, halb leicht \u00fcberforderten Blick ansah. \u201eVela, sie ist eine \u00e4ltere Dachsdame\u201c, begann er vorsichtig und trat einen Schritt zur\u00fcck auf den weichen Moosboden des Pfades, sicherheitshalber au\u00dfer Reichweite ihrer Krallen. \u201eSie hat eine Brille, die mit Zwirn geflickt ist, und backt wahrscheinlich mit getrockneten Ebereschen und Waldhonig. F\u00fcr sie ist jeder unter f\u00fcnfzig Sommern entweder ein Jungspund oder eben\u2026 s\u00fc\u00df. Was h\u00e4tte ich denn sagen sollen? Nein danke, werte Dame, meine zuf\u00e4llig durch Schicksal ausgew\u00e4hlte Wegbegleitung hier w\u00fcrde wahrscheinlich Eure erhabenen Mehlspeisen als Affront gegen sich betrachten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie hat Freundin gesagt!\u201c, zischte Vela, trat ihm hinterher und verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust, w\u00e4hrend ihre Schwanzspitze ver\u00e4rgert von einer Seite zur anderen peitschte. \u201eUnd sie hat mich dabei angesehen, als w\u00e4re ich ein verirrtes Frettchen, das man mit einem St\u00fcck Schmalzgeb\u00e4ck ruhigstellen muss, w\u00e4hrend sie mit dir \u00fcber ihre geheimen Kr\u00e4utermischungen in Brot- und Kuchenrezepten diskutiert!\u201c Fian konnte ein schiefes, fast unmerkliches Zucken im Mundwinkel seiner Schnauze nicht ganz unterdr\u00fccken. \u201eJa gut, das ist ein Argument, aber zu meiner Verteidigung, was h\u00e4tte ich denn sagen sollen? Wenn du nicht gerade als J\u00e4gerin in der Nacht mit unheimlich leuchtenden Augen auf Pirsch bist \u2013 gib es zu \u2013, bist du ja auch\u2026 nennen wir es handlich? Also, wenn du nicht gerade \u00c4ste von armen Eichen schl\u00e4gst, siehst du durchaus nicht g\u00e4nzlich furchterregend aus.\u201c Velas Blick verengte sich zu zwei schmalen, eisblauen Schlitzen. Ihre Ohren legten sich flach an den Kopf. \u201eSag das noch einmal, und ich sorge daf\u00fcr, dass deine Laute heute Nachmittag als Teigroller herhalten muss.\u201c \u201eSchon gut, schon gut!\u201c, hob Fian beschwichtigend beide Pfoten und seufzte leise in den k\u00fchlen Herbstwald. \u201eSieh mal\u2026\u201c, fuhr er anschlie\u00dfend ruhiger fort und legte den Kopf ein wenig schief, \u201eich habe der guten Dame doch lediglich geholfen, ihren Karren aus dem Schlammloch am Bach zu ziehen. Dass sie uns daf\u00fcr frische Kekse verspricht, ist einfach\u2026 Dankbarkeit \u2013 Gastfreundschaft eben. Das, was man Reisenden anbietet. Mehr nicht. Ich verstehe wirklich nicht, wor\u00fcber du dich gerade aufregst. Sie hat doch gar nichts gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Vela blieb stehen und verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust. \u201eSie nicht\u2026 Du hast das verbockt!\u201c Fian blieb au\u00dferhalb ihrer Reichweite stehen und drehte sich um: \u201eUnd was habe ich jetzt getan?\u201c<br \/>\n\u201eNichts\u201c, antwortete sie.<br \/>\nEr legte den Kopf schief und \u00fcberlegte.<br \/>\nSie schlich n\u00e4her und gab ihm mit der R\u00fcckseite ihrer Kralle eine Kopfnuss. \u201eNa, kommen wir drauf?\u201c, fragte sie genervt. \u201eOder brauchst du noch einen Tipp mehr von deiner\u2026 \u201aFreundin\u2018?\u201c<br \/>\nFian rieb sich die Stirn. \u201eOh Mann, das mit der \u201aFreundin\u2018 meinst du?\u201c Vela verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust und funkelte ihn an. \u201eAh\u2026 man muss also nur beim Sch\u00e4del anklopfen und dann sagt jemand hallo\u2026\u201c<\/p>\n<p>Fian hielt ihrem Blick stand. \u201eDu liebe Zeit, bist du empfindlich. Was st\u00f6rt dich daran denn so, Freunde haben zu wollen?\u201c Fian stellte seine Ohren auf und sah sie neugierig an. Vela erstarrte f\u00fcr den Bruchteil eines Wimpernschlags. Dann zuckte ihre Schnauze, und in ihren eisblauen Augen loderte f\u00fcr einen Moment die unb\u00e4ndige K\u00e4lte der Ewigen auf, untermalt von einem tiefen, rauen Knurren. \u201eFreunde?\u201c, stie\u00df sie hervor, w\u00e4hrend sie einen Schritt zur\u00fcckwich und die Weite des Waldes musterte. \u201eIch bin eine J\u00e4gerin, Fian. Ich ziehe unbarmherzig durch die Tiefen dieser W\u00e4lder, um den roten Tribut nach den Gesetzen von Klaue und Fang einzufordern \u2013 und nicht, um Kaffeekr\u00e4nzchen abzuhalten oder\u2026 oder H\u00e4ndchen haltend in einem Kreis zu tanzen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSiehst du\u201c, entgegnete Fian fast seelenruhig und\u00a0 lie\u00df die Ohren leicht nach vorne kippen, w\u00e4rend er sie mit diesem unertr\u00e4glich verst\u00e4ndnisvollen Blick musterte, \u201egenau das meine ich. Niemand hat etwas von Tanzen gesagt. Es geht um Kekse.\u201c Sie drehte sich br\u00fcsk um. \u201eEs geht <em>nie<\/em> um Kekse! Freunde machen sentimental. Freunde wollen reden. Freunde\u2026 Freunde k\u00f6nnten auch der n\u00e4chste Tribut sein\u2026\u201c<\/p>\n<p>Fian trat n\u00e4her heran und legte seine Pfote sanft auf ihre Schulter. Seine Stimme war toternst. \u201eJa. Aber Freunde sind auch f\u00fcreinander da und holen Hilfe, wenn sie gebraucht wird. Freunde vertrauen einander, wenn sie in Schwierigkeiten stecken. Freunde helfen sogar einem kleinen, verlorenen Barden mit Halsband, obwohl sie es niemals n\u00f6tig gehabt h\u00e4tten, ja, ihn erst einen einzigen Nachmittag lang kannten. Sie sind einfach da. Auch wenn es f\u00fcr den Verstand manchmal keinen Sinn ergibt.\u201c<\/p>\n<p>Vela spannte ihre Schultern an. Das Fell an ihrem Nacken str\u00e4ubte sich unter seiner Ber\u00fchrung, doch sie schlug seine Pfote nicht weg. Stattdessen trat sie einen Schritt nach vorn und drehte sich langsam wieder zu ihm um. In ihren Augen leuchtete das unheimliche Blau der Ewigkeit. \u201eErinnere mich nie wieder daran\u201c, sagte sie leise. \u201eEs war eine Sekunde von Schw\u00e4che, sonst nichts.\u201c Fian erwiderte ihren Blick ohne ein Wort, seine Ohren aufmerksam nach vorn gerichtet. Vela hielt seinem Blick einige Herzschl\u00e4ge lang stand, ehe sie den Kopf zur Seite riss. Sie griff nach dem Riemen ihres Jagdmessers, und marschierte mit energischen Schritten den gewundenen Pfad hinab,\u00a0 die Richtung, aus der bereits der feine Duft von brennendem Birkenholz und warmem Geb\u00e4ck durch das herbstliche Dickicht wehte.<\/p>\n<p>\u201eKomm schon, Barde\u201c, rief sie \u00fcber die Schulter, ohne das Tempo zu drosseln. \u201eWenn diese Dachsdame uns verbrannten Teig vorsetzt, bist du derjenige, der die H\u00f6flichkeitslieder tr\u00e4llern muss. Nicht ich.\u201c<\/p>\n<p>Ein warmes, leises L\u00e4cheln legte sich auf Fians Schnauze. Er griff nach dem Gurt seiner Laute, und folgte ihren Spuren durch das Moos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas ist jetzt nicht dein Ernst?\u201c Vela lief neben Fian her. \u201eDas hast du nicht wirklich gemacht?\u201c Fian sah sie von der Seite an: \u201eIch verstehe nicht, was habe ich denn genau getan? 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