Es war bereits dunkel, und die Mondin blickte sanft herab, als Fian sich verabschiedete und auf den Heimweg machte.
Zu seiner eigenen Überraschung gab es im Dämmerlicht sehr viel zu entdecken, während er so den Waldpfad entlangschritt.
*Wow*, dachter er, *Was für ein seltsamer Abend …*
Nun, zum einen hatte alles viel länger gedauert, als er erwartet hatte. Und irgendwie, auch wenn es sich sehr eigenartig anfühlte, nun ja … die weiße Wölfin konnte bei Sonnenuntergang eine sehr angenehme Gefährtin sein. Zugegeben, ihr Humor, also wenn sie ihn denn mal preisgab, war ziemlich speziell und trocken, aber Fian war davon überzeugt, dass sie ihn besaß! Und eine Weile hatte er sogar vergessen, weshalb er überhaupt dorthin gegangen war, und einfach nur ihre Gegenwart genossen. Und nun, auf dem Rückweg? Die Mondin stieg blass und lautlos über den Horizont, und tauchte die Landschaft in ihren eigenen silbernen Schimmer.
Er ging weiter, …
Seine geliebte Laute aus Weidenholz war sicher auf seinen Rücken geschnallt, und der fast leere Weidenkorb ruhte leicht in seinen Pfoten. Während er den Pfad entlangschritt, begannen kühle Abendnebel aus dem Moor aufzusteigen und sich in zarten, geisterhaften Schwaden um seine Beine zu winden, fast mals wollten sie ihm etwas mitteilen. Fian hielt einen Moment inne und holte tief Luft. Er schloss die Augen und sog ganz bewusst die frische, kühle Luft tief in seine Lungen. Er genoss einfach das Gefühl, wie sie klar und reinigend durch ihn hindurchströmte.
Einen Augenblick lang hielt er den Atem tief in sich zurück, dann ließ er ihn langsam entweichen.
Kleine weiße Wölkchen bildeten sich vor seiner Nase; sie schienen im Mondlicht zu tanzen, bevor sie sich in der Nacht auflösten. Und dann, zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, blieb er stehen und lauschte. *Ja …*, dachte er, *sie hat recht.*
Im bloßen Zuhören liegt ein unglaublicher Frieden. Er blickte zum Mond hinauf und glaubte, aus dem Augenwinkel eine Fledermaus zu sehen, die hoch oben in der Stille der Nacht tanzte.
Als er nach Hause kam, boten ihm die vertrauten Wände eine ganz andere Art von Geborgenheit. Vorsichtig stellte er seine Laute in ihre gewohnte Ecke und den Korb auf den Küchentisch. Sein Blick viel dabei auf die beiden Teetassen, die dort noch immer standen. Mit einem leisen Seufzer setzte er sich hin und überprüfte die Verbände an seinem Bein und seiner Pfote. Der dumpfe Schmerz war zwar noch da, doch – zu seiner Überraschung – schien er völlig belanglos.
Danach ging er zum Waschbecken und spritzte sich kühles Wasser ins Gesicht.
Als er nach einem Handtuch griff und einen Blick in den kleinen Spiegel warf, hielt er inne. Er bemerkte, dass er lächelte. Ja, es war ein seltsamer, unvorhersehbarer Abend gewesen, aber auch ein wahrhaft schöner. Während er sein Spiegelbild betrachtete, fiel ihm etwas Besonderes auf:
Aus einem Grund, den er nicht recht in Worte fassen konnte, mochte er sie einfach – diese weiße Wölfin. Und einen Moment später, war er sich sicher. Ja, er mochte sie genau so, wie sie war. Als sich Fian schließlich ins Bett legte und die Decke hochzog, geschah noch etwas:
Zum ersten Mal seit vielen langen Tagen und Wochen blieb er in der Dunkelheit nicht mit seinen sorgenvollen Gedanken allein. Nein, in der stillen Dämmerung, die seinen Geist umfing, sah er ihre wunderschönen blauen Augen, die ihn sanft in den Schlaf geleiteten.